Warum es keinen Sinn macht, in Rade eine Grundschule zu schließen

Grundschulgebäude Blumenstraße

Eene meene meck – und du bist weg!  
Welche Grundschule soll denn nun geschlossen werden?

 
Folgt man den Theorien verschiedener Kommunalpolitiker, dann muss man sich irgendwann in der nächsten Legislaturperiode entscheiden, eine der fünf Rader Grundschulen zu schließen.
Unwidersprochen blieb diese Behauptung von Herrn Dr. Pesch bei der ersten Diskussionsrunde der drei Bürgermeisterkandidaten am 28. Mai. Und die UWG hat das auch schon so durchgerechnet.
Fragt sich nur, wie die Damen und Herren zu solchen Einschätzungen kommen?
 

Die Zahlen

Nehmen wir uns zunächst mal die aktuellen Zahlen vor:
Im Schuljahr 2009/10 wird es folgende Eingangsgrößen bei den fünf Rader Grundschulen geben:
 

Einschulungs-Zahlen im Schuljahr 2009/10

Schüler gesamt:   256  Züge*
 Grundschule a.d. Wupper    33           2
 GS Bergerhof   46  2
 GS Lindenbaum  51  2
 GS Stadt  71  3
 GS Blumenstraße  56  2
*Unter "Züge" versteht man übrigens die Anzahl der Klassen in einem Jahrgang. Hier sind die Eingangsklassen gemeint, d.h. wieviele "Erste Klassen" eine Schulen bilden wird.
Dabei ist noch zu erwähnen, dass die GS Blumenstraße 17 Anmeldungen mehr hatte, diese Kinder wurden aber wegen eines Beschlusses unserer Kommunalpolitiker zwangsweise umverteilt.
Rechnen wir das mal für die nächsten Jahre hoch. Dabei ist ein Minimum an Einschulungszahlen im Jahr 2011 (insgesamt ca. 160 Erstklässler) zu erwarten, die Zahl stagniert dann mit leicht steigender Tendenz. Im Jahr 2014 werden es wieder etwa 180 Erstklässler sein. Anschließend wird sich, wenn die Geburtenzahlen sich nicht wesentlich ändern, das Ganze etwa bei den Zahlen von 2011 einpendeln.
Diese Zahlen ergeben sich aus denGeburtenzahlen und sind natürlich mit einer gewissen Unsicherheit behaftet. Auch lassen sich die Präferenzen für gewisse Schulstandorte nicht mit Sicherheit genau so fortschreiben. Aber einen ungefähren Anhaltspunkt geben die Zahlen doch.
Danach wären für die fünf Rader Grundschulen folgende Einschulungszahlen zu erwarten:
 

Prognose bis 2014

  2009 2011 Züge 2014 Züge
Schüler gesamt: 256 160   180  
GS Wupper  33  20  1  21  1
GS Bergerhof  46  29  1  33  1-2
GS Lindenbaum  51  32  1-2  36  2
GS Stadt  71  44  2  50  2
GS Blumenstraße  56  35  1-2  40  2

Nimmt man die Eckwerte für die Klassengrößen, die zwischen 16 und 30 Schülern liegen soll, so kommt man zu dem Schluss, dass lediglich die Grundschule an der Wuper wohl auf Dauer nur einzügig werden wird. Bei der Grundschule Bergerhof ist ebenfalls oft nur ein Jahrgang möglich. Die GS Blumenstraße und die GS Stadt sollten dagegen auf Dauer zwei Züge behalten.

Wie ist zu handeln?

Was schreibt dazu das Schulgesetz vor?

Schauen wir da mal ´rein, wann muss denn nun eine Schule geschlossen werden?
§82 sagt: „…Grundschulen müssen bei der Errichtung mindestens zwei Parallelklassen pro Jahrgang haben, bei der Fortführung mindestens eine Klasse pro Jahrgang.“ und weiter steht da: „…Grundschulen mit weniger als zwei Klassen pro Jahrgang sollen, wenn der Schulträger deren Fortführung für erforderlich hält, zur Erreichung angemessener Klassen- und Schulgrößen im Sinne von § 81 Abs. 1 möglichst als Teilstandort geführt werden (Grundschulverbund).“
Das bedeutet unseres Erachtens, dass der Schulträger (die Stadt Radevormwald) nicht gezwungen sein wird, eine Grundschule zu schließen. Bei drei Schulen (Wupper, Bergerhof, Lindenbaum) wird über deren Organisation zu reden sein. Ein oder zwei dieser Schulen werden u.U. als Filialschulen in einem Grundschulverbund weiterzubetreiben sein. Die pädagogische Ausrichtung und der Lehrer-Stamm kann dabei beibehalten werden.
Die anderen beiden Grundschulen sollten – zumindest bis 2015 - ihre zwei Züge behalten. Und auch darüber hinaus müssten schon deutliche Geburtenrückgänge einsetzen, um auf einen einzügigen Jahrgang zu kommen.
Natürlich kann die Politik auch ohne rechtlichen Zwang entscheiden, eine der Schulen zu schließen. Dies steht  jedoch gerade bei den drei erstgenannten Schulen – aus unterschiedlichen Gründen - außerhalb jeder Diskussion. Eine Pflicht zur Schließung besteht jedenfalls aufgrund des Schulgesetzes nicht. Und pädagogisch macht es eh‘ keinen Sinn.
 

Gibt es trotzdem Gründe, die für eine Schließung sprechen?

Nur, wer kurzfristigen wirtschaftlichen Überlegungen folgt, kann vielleicht zu der Auffassung kommen, dass es wirtschaftlich sinnvoll wäre, einen Schulstandort aufzugeben.
Nur sollte man zum einen die Bildung unserer Kinder nicht unter wirtschaftlichen Aspekten betrachten, allenfalls unter langfristigen, wo sich gute Bildung hervorragend armortisiert!
Zum anderen haben wir ja schon jetzt ein leeres Schulgebäude in Rade, das sich nicht vermarkten lässt (die ehemalige Berufsschule in Bergerhof). Wozu also ein weiteres?
 

Reicht der Platz in vier Grundschulen für alle Grundschüler aus?

Schließt man einen Standort, müsste man klären, wo die Schüler aus einem geschlossenen Schulstandort untergebracht werden sollen. Wenn man eine der drei Grundschulen in der Innenstadt schließt, werden sich die Schüler vorwiegend auf die verbleibenden zwei Schulen verteilen. Ob die Kapazitäten dazu ausreichen, erscheint mehr als zweifelhaft.
Durch die Einrichtung der offenen Ganzagsschule (OGaTa) sind in den letzten Jahren Räumlichkeiten bei den Grundschulen in Anspruch genommen worden, die nun nicht mehr als Klassenräume zur Verfügung stehen. Teilweise wurden dafür sogar Anbauten nötig, was zeigt, dass die Grundschulen eben nicht Platz ohne Ende haben. Die hat der Konrektor der GS Stadt in der Schulausschuss-Sitzung vom 10. Juni sehr klar verdeutlicht. Die GS Stadt, die ursprünglich mal für 4 Züge ausglegt war, wird in Zukunft nicht mehr so viele Klassen einrichten können. Ähnliches gilt für die GS Bergerhof, die statt ursprünglich drei Zügen künftig nur mehr 2 oder 2,5 Züge pro Jahrgang wird aufnehmen können.
Will man also die Schüler z.B. der GS Blumenstraße auf die anderen Schulen verteilen, wird man Probleme bekommen, diese unterzukriegen.
Außerdem gäbe es keine Platzreserve, die bei künftigen Änderungen der Grundschullandschaft (z.B. fünf oder sechs Jahre Grundschule) oder wieder steigenden Geburtenzahlen (was wir alle hoffen) genutzt werden könnte.
Im schlimmsten Fall müsste man in einigen Jahren wieder eine neue Grundschule eröffnen. Den Sinn dieser Planung soll man den Bürgern dann bitte mal erklären!